Trostjanez (ukrainisch Тростянець) ist eine Stadt in der nordöstlichen Ukraine, gelegen in der Oblast Sumy, etwa 30 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Gegründet wurde sie in der Mitte des 17. Jahrhunderts, vermutlich von Kosaken aus der Region Winnyzja oder Wolhynien. Ihren Stadtstatus erhielt Trostjanez im Jahr 1940. Die Stadt entwickelte sich über die Jahrhunderte zu einem kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum mit bemerkenswerter Architektur, darunter der neogotische „Runde Hof“ von 1749 und die barocke Verkündigungskirche von 1750.
Vor dem russischen Angriffskrieg galt Trostjanez als Vorzeigestadt für moderne Stadtentwicklung in der Ukraine. Mit Investitionen in Infrastruktur, Umweltprojekte und Industrie – darunter eine bedeutende Schokoladenfabrik – war sie ein Symbol für Fortschritt und europäische Integration.
Im Februar 2022 wurde Trostjanez frühzeitig von russischen Truppen besetzt. Die Stadt erlitt schwere Zerstörungen: Wohnhäuser, das Krankenhaus, der Bahnhof und Industrieanlagen wurden beschädigt oder zerstört. Während der Besatzung kam es zu schweren Menschenrechtsverletzungen, darunter Folter, Plünderungen und gezielte Angriffe auf Zivilisten. Nach einem Monat wurde die Stadt von ukrainischen Streitkräften befreit.
Heute steht Trostjanez für den unerschütterlichen Wiederaufbauwillen der Ukraine. Trotz der Verwüstungen arbeitet die Stadt an ihrer Erneuerung – mit internationaler Unterstützung und dem festen Ziel, erneut ein Ort des Lebens, der Kultur und der wirtschaftlichen Stärke zu werden. Ihre Geschichte und ihr Schicksal machen sie zu einem Mahnmal für die Resilienz der ukrainischen Gesellschaft und zu einem bedeutenden Symbol im Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung.
